Ideen für den Umgang mit der Diagnose: unheilbar krank

Unheilbar krank

Hallihallo
Anfang 2021 erhalte ich diese Diagnose: Hirnmetastasen, inoperabel, Überlebensprognose drei bis sechs Monate. Es bricht – nein, nicht eine Welt zusammen – sondern
eine neue Ära an. Keine Zweifel, keine Angst, keine Trauer. Enorme Energie durchströmt mich: Noch einmal Menschen inspirieren, das ist mein Wunsch. Und dann loslassen. Und
Tschüss.

In den letzten Wochen habe ich zusammen mit Filmemacher Florian Bitterlin einige Punkte zusammengestellt: Was tun, wenn wir die Diagnose erhalten, bald zu sterben? Die Punkte inspirieren in erster Linie, sich mit den Themen anzufreunden. Schauen wir hin, verlieren sie den Schrecken. Versprochen. In zweiter Linie bietet der Leitfaden nützliche Ideen für den Umgang mit der Diagnose: unheilbar krank. Das Ganze widerspiegelt meine Sicht auf die Dinge und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Dieses PDF ist Zusammenfassung und Ergänzung zum
Video – Klick!

1. Am Tag der Diagnose

Nimm am Tag der Diagnose Begleitung mit. Die Diagnose schockiert. Die Chance ist groß, dass du nicht alles hörst, was du hören sollst. Die Begleitung ist distanzierter und hört
anderes als du. Ich empfehle eine Vertraute, die sich jedoch emotional abgrenzen kann. Mache sie aufmerksam, dass ihre Aufgabe ist, zu assistieren. So legt sie den Fokus darauf. Bitte deine Begleitung Notizen zu machen oder das Gespräch mit dem Smartphone aufzunehmen. So habt ihr nach dem Gespräch Gedankenstützen.

2. Hilfe annehmen

Nach der Diagnose stehst du vor zig Behandlungsoptionen, die versprechen, deinen letzten Weg zu erleichtern. Abschätzen, welcher Weg welche Chancen und Risiken birgt, ist herausfordernd. Ich empfehle, eine neutrale Person beizuziehen, um eine Ordnung zu schaffen. So schätzt du unter Einbezug von allen Wenn-und-Abers ab, welcher Weg wohin führt. Mach
der Person klar, welchen Auftrag sie hat: Es geht nicht um psychologische Betreuung. Du brauchst Klarheit über deinen weiteren Behandlungsweg. Neutrale Personen: Psychologen, Psychoonkologen, Seelsorger, Coaches …

3. Wem sage ich es wie?

Du stehst vor der Frage, wem und wie du davon erzählst? Achtung: Du setzt dich seit deiner Diagnose mit dem Sterben auseinander. Deine Mitmenschen nicht. Dass du bald gehst, führt teils zu heftigen Reaktionen: Schock, Beschwichtigungen, Lach- oder Weinattacken … Viele Menschen hoffen, dass du weiterlebst. Geh behutsam vor – aus Selbstschutz und aus Schutz für die anderen. Überlege dir, wie du deinen Angehörigen Bescheid gibst. Mache sie im Vorfeld aufmerksam, dass du eine gewichtige Nachricht überbringen wirst, dann bereiten sie sich vor. Die Chance! Durch die Konfrontation mit dem Tod steigerst du nach der ersten Krise die Lebensqualität vieler Menschen. Ist der Tod erst integriert, lebt es sich ganz ungeniert!

4. Du bist erst tot, wenn du tot bist

Du lebst, du hast Wünsche, du lernst Neues! Was für dein ganzes Leben gilt,
gilt jetzt erst recht: lebe Jetzt, sorg gut für dich, sei aktiv:

 

5. Wie willst du liegen?

Wie willst du bestattet werden? Hast du einen religiösen Hintergrund oder schwebt dir ein freies Ritual vor? Willst du in einem Sarg liegen oder in der Urne ruhen? Verstreuen wir deine Asche über dem Wasser oder überreichen sie am Fusse eines Baumes den Wurzeln? Was ist deine Version? Die Frage der Bestattung hat eine organisatorische Dimension. Dafür gibt es Beerdigungsfachleute: Bestattungsunternehmen, Trauerredner:innen, Kirchen, Ritualgestalter:innen … Die gewichtigere Dimension ist die soziale: Die Bestattung dient deinen Mitmenschen sich würdevoll von dir zu verabschieden. Beziehe sie in deinen Prozess mit ein. So schaffst du Raum für ihre Wünsche. Gemeinsam findet ihr die richtige Form.

6. Nachlass regeln

Kümmere dich aktiv um deinen Nachlass. Ein Testament verfasst du handschriftlich oder lässt du von einem Anwalt oder Notar aufsetzten und beglaubigen. So kann es weniger angefochten werden. Je klarer du bist, desto einfacher haben es deine Nachkommen. Bringe deine individuellen Wünsche ein: Bestimme wer nach deinem Tod über deine Finanzen und Wertsachen verfügt, kläre Vollmachten und Berechtigungen. Darüber hinaus hast du gebundenes Geld: in der Pensionskasse (CH), der dritten Säule (CH) oder anderen Vorsorgeeinrichtungen. Bist du unverheiratet und kinderlos, kommt dieses Geld nur jemandem zu Gute, wenn du sie als Begünstigte einsetzt. Sonst bleibt es auf der Bank. Schade oder? Mein Tipp: Hol dir einen Nachlassmanager, der sich um alles kümmert. Damit sparst du Nerven und Geld – und gewinnst Zeit für Sonnenuntergänge und leckere Essen mit deinen Liebsten.

7. Ballastfrei fliegen?

Gibt es Menschen, mit denen du Streit hast? Schliesse Frieden und vergebe. Jetzt! Befrei dich und die anderen von altem Ballast. Mit leichtem, freien Herzen verbringst du deine restlichen Tage ruhig und gelöst. Funfact: Achtzig Prozent der Menschen, die zu jemandem den Kontakt abbrechen, wissen innerhalb eines Jahres nicht mehr, was der Grund für den Abbruch war 🙂

8. WOW! Das ist mein Leben?

Schreibe auf, was in deinem Leben gelang. Schau liebevoll auf die Dinge, die dich stolz machen. Bade in den Gefühlen der innigen Beziehungen. Fällt auch dir auf? Dinge, die schief gingen, führten dazu, dass andere Dinge richtig gut liefen! Das Konzept von Scheitern und Erfolg findet nur in unserem Kopf statt! Liebevoll auf das eigene Leben schauen? Florian Bitterlin, der Filmemacher und Benedict Dackweiler vom Atelier DABENE gestalteten mit mir einen liebevollen Prozess. Entstanden ist ein digitaler Erinnerungsraum. Vielleicht auch das Richtige für dich?

9. Dein Bild

Der Sterbeprozess macht Angst? Mach dir ein positives Bild davon, was dich nach dem Sterben erwartet. Egal ob Seelenwanderung oder “das grosse Nichts” – suche dir ein Bild, das du während des Sterbens aktiv anstrebst. Es wird dir helfen, den Weg zu meistern.

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